Dresscode beim Bewerbungsgespräch

Dresscode beim Vorstellungsgespräch

 

Was Sie schon immer über den Dresscode beim Vorstellungsgespräch wissen wollten

 

Wir haben es erfragt!

 

Dr. Theresa Rühl weiß: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“ In ihren Seminaren unterstützt sie Akademikerinnen und Akademiker darin, ihren ersten Eindruck so zu optimieren, dass diese positiv von ihren Mitmenschen wahrgenommen werden. Wir haben uns mit ihr über das perfekte Outfit für das Vorstellungsgespräch unterhalten. Denn noch immer gilt: „Kleider machen Leute.“

 

Das Interview führte Nicole Beste-Fopma

 

Wie entscheidend ist die Kleidung bei einem Vorstellungsgespräch?

Unser Gegenüber macht sich den berühmten erste Eindruck in weniger als sieben Sekunden. In dieser kurzen Zeit wird nur unser Äußeres wahrgenommen. Die Kleidung kann also durchaus entscheidend sein.

 

Unser Blog richtet sich in erster Linie an Architektinnen und Architekten sowie Bauingenieurinnen und Bauingenieure. Jetzt ist der Beruf der Architekt*in ein eher kreativ, der der Bauingenieur*in doch noch eher konservativ. Woher weiß ich, welchem Dresscode ich bei meinem potentiellen Arbeitgeber folgen muss?

Leider habe ich dafür keine Pauschalantwort. In vielen Fällen ist selbst der Internetauftritt in Sachen Dresscode wenig authentisch – ganz besonders in diesen Branchen. Am besten ist es, wenn man kurz in das Unternehmen oder noch besser in die Abteilung reinschaut. Geben Sie Ihre Bewerbungsunterlagen persönlich ab. So bekommen Sie ein Gefühl für den hier gepflegten Dresscode.

 

Unterscheidet sich der Dresscode je nach Position, um die ich mich bewerbe?

Grundsätzlich ja. Wie heißt es so schön: „Kleide dich für den Job, den du haben willst. Nicht für den, den du hast.“ Aber Vorsicht! Sie sollten nicht besser gekleidet sein als Ihre direkte Vorgesetzte bzw. Ihr direkter Vorgesetzter. Um so wichtiger, vor dem Vorstellungsgespräch oder dem ersten Arbeitstag den Dresscode auf Ihrer Hierarchie-Ebene herauszufinden. Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt eine bessere Position anstreben, orientieren Sie sich an der Ebene der neuen Position.

 

Was bedeutet underdressed? Was overdressed?

Wenn Sie Freizeitkleidung, also zum Beispiel eine Jeans mit Waschung und T-Shirt tragen und Ihr Gegenüber trägt eine hochwertige Jeans mit Hemd und Sakko oder noch schlimmer einen vollständigen Anzug mit Krawatte, dann sind Sie „underdressed“. Das kann zu der Annahme verleiten, dass Sie die gesamte Situation nicht angemessen ernst nähmen. Sie wirken schnell respektlos.

Das Gegenteil davon ist „overdressed“. Wenn also Sie den Anzug tragen und Ihr Gegenüber eine Jeans und T-Shirt. Um jetzt nicht als überheblicher Schnösel oder Emporkömmling zu wirken, können Sie ganz charmant zugeben, dass Sie den Dresscode offensichtlich falsch eingeschätzt haben. Etwas Humor und Offenheit sind meist schon der erste Türöffner in ein gutes Gespräch.

Sie können aber auch Ihr Outfit schnell noch „downgraden“. Ziehen Sie einfach die Krawatte oder/und das Jackette bzw. den Blazer aus. Wenn es ganz besonders locker ist, können Sie sogar die Hemdsärmel etwas hochkrempeln. Schon machen Sie einen viel entspannteren Eindruck.

 

Muss es immer ein Anzug bzw. ein Kostüm sein?

Nein. Wichtig ist, dass Sie stets authentisch sind und ungefähr den Dresscode des Unternehmens treffen. Für das Vorstellungsgespräch sollten Sie sich allerdings etwas schicker machen als für einen normalen Arbeitstag.

 

Muss der Mann den Anzug mit Hemd tragen oder geht auch ein T-Shirt?

Für Männer gilt: Wenn Anzug oder Jackette und hochwertige Jeans – stets mit Hemd. Je nach Anforderung ein eher formales, also ein klassisches Business-Hemd, oder ein eher sportliches, also auch kleinkariertes, Hemd. Auf keinen Fall große Muster und schon gar nicht das Hawaii-Hemd.

Für Frauen gilt: Unter der Jacke eines Hosenanzugs muss frau nicht unbedingt eine Bluse tragen. Das Oberteil muss aber eine gute Passform haben und aus einem hochwertigen Material bestehen. Die Farben folgen den klassischen Hemdenfarben: weiß, champagner, rosé, hellblau, flieder, lindgrün oder ähnlich. Große Muster sind auch hier ungünstig.

 

Brauche der Mann zum Hemd unbedingt eine Krawatte?

Nein. Immer häufiger tragen Führungskräfte zwar einen Anzug mit Hemd, verzichten aber auf die Krawatte. Oft wird eine Krawatte sogar als „steif“ bzw. overdressed wahrgenommen. Dies gilt insbesondere für die Kreativbranchen. Im Finanz- und Versicherungssektor ist eine Krawatte dagegen nach wie vor üblich.

 

Als nicht versierter Krawattenträger: Wie weiß Mann, welche Krawatte zum Hemd bzw. Anzug passt?

Wenn Mann ein unifarbenes Hemd trägt, kann die Krawatte ein Muster haben. Zum Beispiel Streifen oder kleine, sich stets wiederholende Formen wie gefüllte Rauten. Ist das Hemd gemustert, sollte die Krawatte möglichst ruhig sein – also einfarbig, ohne Muster. Ist das Hemd weiß, hat man fast die freie Auswahl. In diesem Fall orientiert man sich farblich am Anzug.

 

Gibt es Besonderheiten, auf die Frauen besonders achten sollte?

Eine Grundregel lautet: „Entweder Bein oder Dekolleté zeigen“. Trägt Frau einen kniefreien Rock, sollte die Bluse möglichst hochgeschlossen sein. Entscheidet sie sich für eine Business-Hose, darf ihr Ausschnitt etwas tiefer ausfallen. Allerdings nur so tief, dass der Brustansatz nicht sichtbar ist.

Mehr als schulterlange Haare sollten aus dem Gesicht frisiert werden. Ansonsten wirkt es leicht, als würde man sich hinter den Haaren verstecken wollen. Zudem wirken lange offene Haare schnell mädchenhaft und verspielt.

 

Muss man noch immer eine Strumpfhose zum Rock tragen?

Ja, diese Regel gilt nach wie vor in der Arbeitswelt.

 

Wie viel Make-up ist gerade genug und ab wann wird es zu viel?

Grundsätzlich gilt jedoch, dass Sie vor allem gepflegt erscheinen sollen. Etwas Make-up wie z.B. Wimperntusche und eine getönte Tagescreme wirken meist gepflegter. Insgesamt sollten sie aber mit Make-up und Parfüm insbesondere in männerdominierten Berufen sparsam umgehen.

Für Frauen wie Männer gilt: Achten Sie auch auf gepflegte Haare, Haut, Zähne und Fingernägel.

 

Wie sieht es mit Schmuck aus?

Weniger ist mehr. Schmuck kann schon mal die Aufmerksamkeit ablenken.

 

Gefühlt jeder läuft heutzutage in Turnschuhen rum. Kann ich auch zum Vorstellungsgespräch Turnschuhe anziehen?

Zum Vorstellungsgespräch sollten Lederschuhe getragen werden. Je nach Outfit können diese jedoch mehr oder weniger sportiv sein.

 

Je nach Dresscode kann es vorkommen, dass sich die Bewerber*innen verkleidet vorkommen. Was raten Sie diesen?

Ich rate grundsätzlich davon ab, Kleidung zu tragen, in der man sich verkleidet verkommt. Unser Kleidungsstil ist meist auch Ausdruck unserer persönlichen Werte. Gehen Sie daher möglichst dem Anlass entsprechend und authentisch zum Bewerbungsgespräch. Denn, entweder passt das Unternehmen zu Ihnen oder nicht.

Handelt es sich um Ihren Traumjob bei Ihrem Traumarbeitgeber, rate ich eine professionelle Farb- und Stilberatung in Anspruch zu nehmen. Jeden Dresscode kann man mit kleinen Kniffen individuell tragbar machen. Dies verlangt aber ein geübtes Auge und das entsprechende Detailwissen.

 

Gilt das alles auch für das Online Bewerbungsgespräch? Denn schon vor Corona, aber insbesondere jetzt während der Corona-Krise, werden viele Bewerbungsgespräche online geführt.

Ja.

 

Gibt es absolute no Goes?

Respektloses Verhalten, nach Zigarettenrauch oder Alkohol riechen, Schweißgeruch aber auch zu starker Parfum- bzw. Aftershave-Geruch. Und natürlich Flipflops, kurze Hosen und Hawaii-Hemden.

 

Haben Sie noch einen besonders wertvollen Tipp, den Sie unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben wollen?

Lächeln Sie! Seien Sie ehrlich und authentisch. Ein sympathisches Auftreten macht so manchen Fauxpas in Sachen Kleidung wieder wett.

 

Nicole Best-Fopma

© Arbeitskreis Wissenschaft und Wirtschaft e.V. 2020

Das Online Bewerbungsgespräch – Tipps

Online Bewerbungsgespräch


Anders und dennoch dasselbe


Ein Bewerbungsgespräch online führen. Keine Anfahrt, bequem von Zuhause aus. Ein Gespräch
in gewohnter Umgebung. Das hört sich entspannt an. Aber Achtung! Ganz so entspannt ist es
nicht. Denn ein online Bewerbungsgespräch stellt im Grunde die gleichen Anforderungen an Sie,
wie ein persönliches Gespräch. Hinzu kommt, dass es einige wichtige Details zu beachten gilt, die
Sie bei einem persönlichen Gespräch außer Acht lassen könnten. Das fängt mit der stabilen
Internetverbindung an und hört mit dem griffbereiten Glas Wasser auf. Damit Sie optimal
vorbereitet sind, haben wir hier die wichtigsten Tipps aufgelistet.


Die Vorbereitung


Wie bei jedem anderen Bewerbungsgespräch sollten Sie sich auch bei dem Bewerbungsgespräch
via Skype, Meetup oder jegliche andere Plattform auf die
typischen Fragen vorbereiten und die
passenden Antworten parat haben.

  • Was können Sie uns über sich erzählen?
  • Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben?
  • Weshalb sind Sie die richtige Person für diesen Job?
  • Wo sehen Sie bei sich Ihre Stärken und wo Ihre Schwächen?
  • Wie gehen Sie mit Belastung und Stress um?
  • Warum haben Sie bei ihrem letzten Arbeitgeber aufgehört bzw. wollen Sie aufhören?
  • Wo sehen Sie sich beruflich in fünf bis zehn Jahren?
  • Welche Gehaltsvorstellung haben Sie?
  • Haben Sie noch Fragen an uns?


Als Studierende und Absolvent*innen müssen Sie selbstverständlich auch mit Fragen aus
dem Bereich rechnen, auf den Sie sich bewerben. Bei der Antwort kommt es nicht so sehr auf
„richtig“ oder „falsch“ an. Vielmehr möchte Ihr Gegenüber herausfinden, wie intensiv Sie sich mit
dem jeweiligen Fachgebiet auseinander gesetzt haben. Versuchen Sie sich also so gut wie
möglich schon mal einzulesen. Sie können eine Frage nicht beantworten? Keine Panik! Niemand
weiß alles. Im Studium haben Sie gelernt, sich Sachverhalte eigenständig anzueignen.
Signalisieren Sie die Bereitschaft dazu. Das wird Ihnen positiv angerechnet werden und man wird
über den noch bestehenden Mangel an Sachwissen höchstwahrscheinlich hinweggesehen.


Tipps:

  • Legen Sie alle Unterlagen, die Sie benötigen griffbereit neben die Tastatur. Sie können sich auch
    beispielsweise Ihren eigenen Lebenslauf neben den Bildschirm heften. Das hilft nicht nur dabei,
    diesen im Blick zu haben, sondern sie können so auch gleichzeitig einfacher den Bildkontakt zu
    Ihrer Interviewerin/Ihrem Interviewer halten.
  • Sollten Sie sich Notizen machen wollen, machen Sie diese bestenfalls nicht am Computer selbst
    – das Tippen stört akustisch, sondern legen Sie sich Stift und Notizblock bereit. Mitschreiben hilft
    übrigens auch gegen Nervosität.


Das Setting

  • Setzen Sie sich in Szene. Egal ob Sie das Gespräch von ihrem Rechner am Schreibtisch oder
    vom Laptop aus führen, achten Sie darauf, dass Sie einen neutralen Hintergrund haben. Am
    Besten ist eine weiße Wand, denn nichts lenkt Ihr gegenüber mehr ab als Poster, Bilder oder
    sonstige Dekorationsartikel.
  • Zeigen Sie Präsenz. Positionieren Sie die Kamera bzw. den Computer so, dass Sie direkt
    reinschauen können und Ihr/e Gesprächspartner/in Sie weder von oben herab noch von unten
    herauf anschauen muss. Setzen Sie sich mittig vor die Kamera.
  • Präsentieren Sie sich selbst im rechten Licht. Weder sollten Sie sich zu grell anleuchten, noch
    sollten Sie im Dunkeln sitzen. In beiden Fällen, sind Sie für Ihr Gegenüber nicht gut erkennbar.
  • Überprüfen Sie, wo in Ihrem Zuhause Sie die stabilste Internetverbindung haben. Nichts ist
    nervenaufreibender als eine Leitung, die immer wieder hakt.


Das Outfit


Auch wenn Sie sich bei diesem Gespräch in Ihrer gewohnten Umgebung aufhalten, sollten Sie sich
kleiden, als wären Sie bei einem Bewerbungsgespräch vor Ort. Wie so oft, gibt es aber auch zum
Thema „Outfit“ keine allgemein gültige Regel. Es kommt immer auf den Arbeitgeber bzw. die
Arbeitgeberin an. Ist es ein Unternehmen, in dem die Angestellten eher im Kostüm oder Anzug und
Krawatte arbeiten, sollten auch Sie sich so kleiden. Ist die Kleiderordnung eher leger und es sind
Jeans und Turnschuhe angesagt, ist das auch für Sie im Bewerbungsgespräch ok.
Es kommt aber auch darauf an, für welche Position Sie sich bewerben. Ist es eine
verantwortungsvolle Managementaufgabe oder werden Sie Teil eines Teams. Oftmals wird mit
einer Managementaufgabe ein weniger legerer Look verbunden. Aber auch hier kommt es wieder
sehr auf das Unternehmen an.
Grundsätzlich gilt: Wenn Sie unsicher sind – lieber
„overdressed“ statt „underdressed“.
„Overdressed“ wird eher positiv interpretiert. Ihr
Gegenüber nimmt wahr, dass Ihnen dieses Gespräch wirklich wichtig ist. Sind Sie hingegen
„underdressed“ legt man Ihnen das schnell mal als Desinteresse aus. Denn: „Kleider machen
Leute“ und „Mit Kleidung drückt man Respekt aus.“ (Zum Thema Outfit wird ein ergänzender
Artikel erscheinen)

Das Gespräch


Den Auftakt zum Gespräch macht beim persönlichen, wie auch dem online Bewerbungsgespräch
die einladende Person. Nach der Begrüßung und einem eventuellen kurzen Smalltalk, wird in aller
Regel die Vertreterin/der Vertreter des Unternehmens mit einer kurzen Einführung über das
Unternehmen und die ausgeschriebene Position starten. Danach sind Sie dran und dürfen die
Fragen beantworten, bzw. ganz zum Schluss auch noch eigene Fragen stellen, die Sie zu dem
Unternehmen oder der Stelle haben. Sie wollen wissen, wie es mit dem Familienbewusstsein des
Unternehmens aussieht? Handelt es sich um ein familienbewusstes Unternehmen, wird die
Vertreterin/der Vertreter in aller Regel von sich aus auf das Thema zu sprechen kommen. Wenn
nicht, fragen Sie! Diese Art der Fragen sind heutzutage Standard. Ihnen ist eine ausgewogene
Work-Life-Balance wichtig? Dann fragen Sie doch einfach mal, wie so ein normaler Arbeitstag in
dem Unternehmen und auf der Position, für die Sie sich bewerben, aussieht. Halten Sie aber im
Hinterkopf, Sie bewerben sich auf eine Arbeitsstelle. Je nach Alter und Einstellung Ihres
Gegenübers kann bei zu viel Fragen nach „Freizeit“ ein falscher Eindruck entstehen. Ganz wichtig,
auch immer zu betonen, dass auch Sie flexibel sind, wenn mal ein Notfall ist und mehr Arbeit
ansteht.


Tipps:

  • Achten Sie darauf, dass Sie während des Gesprächs nicht gestört werden. Von niemandem!
    Schließen Sie die Tür und hängen Sie ein „Nicht Stören“ Schild auf.
  • Stellen Sie sich ein Getränk bereit. Am besten ein Glas Wasser ohne Kohlensäure. Auch online
    wollen Sie nicht durch ein unangenehmes Aufstoßen auffallen.


No Gos:

  • Essen! Ob Sie es glauben oder nicht, immer wieder kommt es vor, dass Bewerberinnen oder
    Bewerber sich bei online Bewerbungsgesprächen einen kleinen oder größeren Snack gönnen.
    Wenn Sie einen guten Eindruck hinterlassen wollen, sollten Sie das nicht tun.
  • Auch wenn Sie sich in Ihren eigenen vier Wänden sicherer fühlen als vor Ort im Unternehmen,
    achten Sie darauf, dass Sie dennoch keinen allzu saloppen Gesprächsstil nutzen.


In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Nicole Best-Fopma

© Arbeitskreis Wissenschaft und Wirtschaft e.V. 2020